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Sternschaltung

Die Sternschaltung ist eine häufig verwendete Anschlussart in der Elektrotechnik, insbesondere bei Drehstrom-Anwendungen. Sie zeichnet sich durch eine sternförmige Anordnung der Phasen aus, bei der die Verbraucher mit einem gemeinsamen Punkt, dem sogenannten Sternpunkt, verbunden sind. Diese elektrische Schaltung ermöglicht eine stabile Verteilung von Spannung, Strom und Leistung und wird oft in der Energieverteilung und in Transformatoren eingesetzt.

Als grundlegendes Konzept der Drehstromtechnik spielt die Sternschaltung eine wichtige Rolle beim Aufbau moderner Stromnetze. Durch ihre Struktur mit Außenleitern und einem Neutralleiter kann sie sowohl für symmetrische als auch für unsymmetrische Belastungen eingesetzt werden. Besonders in Energieversorgungsnetzen und industriellen Anlagen sorgt diese Anschlussart dafür, dass elektrische Energie effizient verteilt und unterschiedliche Verbraucher zuverlässig betrieben werden können.

Aufbau und Funktionsweise der Sternschaltung

In der Sternschaltung werden drei Außenleiter jeweils mit einem Ende eines Verbrauchers verbunden. Die anderen Enden aller drei Verbraucher sind am gemeinsamen Neutralleiter, auch Sternpunkt genannt, zusammengeführt. Dadurch ergibt sich eine sternförmige Topologie. Jeder Verbraucher liegt zwischen einem Außenleiter und dem Neutralleiter. Die anliegenden Spannungen an diesen Verbrauchern werden als Strangspannungen bezeichnet.

Zwischen zwei Phasenleitern liegt die sogenannte Leiterspannung, die größer ist als die Strangspannung. Es gilt die Beziehung:

U_L = \sqrt{3} \cdot U_S

Dabei steht ULU_LUL​ für die Leiterspannung und USU_SUS​ für die Strangspannung. Das Zeichen „cdot“ steht für die Multiplikation. In einer symmetrischen Sternschaltung sind die Strangspannungen gleich groß, ebenso wie die Strangströme, wenn die Widerstände der einzelnen Verbraucher identisch sind.

Ein praktisches Beispiel findet sich im europäischen Stromnetz. Hier beträgt die Spannung zwischen einem Außenleiter und dem Neutralleiter typischerweise 230 Volt. Die Leiterspannung zwischen zwei äußeren Leitern beträgt dagegen etwa 400 Volt. Dieser Unterschied entsteht durch die phasenverschobenen Spannungen im Drehstromsystem, die jeweils um 120 Grad zueinander versetzt sind.

Der Sternpunkt bildet dabei einen wichtigen Bezugspunkt für das gesamte System. Über den Neutralleiter kann ein stabiler Spannungsbezug hergestellt werden, was insbesondere bei der Versorgung von einphasigen Verbrauchern von großer Bedeutung ist.

Sternschaltung vs. Dreieckschaltung

Neben der Sternschaltung gibt es auch die Dreieck-Schaltung, bei der die Verbraucher in Form eines geschlossenen Dreiecks verbunden werden. Im Vergleich zur Sternschaltung sind hier die Anschlusspunkte der Verbraucher direkt miteinander verbunden, wodurch ein elektrisches Dreieck entsteht. Beide Schaltungsarten kommen in elektrischen Schaltungen wie bei Elektromotoren oder Transformatoren vor.

Ein wichtiger Unterschied liegt in den anliegenden Spannungen und Strömen. In der Dreieckschaltung entspricht die Leiterspannung der Spannung am Verbraucher, während in der Sternschaltung die Strangspannung am Verbraucher anliegt. Bei identischem Widerstand pro Phase sind in der Sternschaltung die Strangströme gleich den Außenleiterströmen.

Ein weiterer Unterschied zeigt sich in der Strombelastung der einzelnen Leitungen. Während bei der Sternschaltung die Strangströme direkt durch die Außenleiter fließen, verteilen sich die Ströme in der Dreieckschaltung anders auf die Leitungen. Diese Unterschiede sind besonders relevant bei der Planung von elektrischen Anlagen und bei der Dimensionierung von Leitungen.

Strom, Spannung und Widerstände

Die Spannungen, Stromstärken und Widerstände in der Sternschaltung lassen sich gut berechnen. Bei gleicher Belastung – also gleichen Widerständen in allen Phasen – sind die Stromwerte gleich groß. In diesem Fall spricht man von einer symmetrischen Belastung. Dann ist der Strom im Neutralleiter gleich null, da sich die Ströme gegenseitig aufheben.

Die Höhe des Stroms hängt vom jeweiligen Widerstand ab, über den er fließt. Je niedriger der Widerstand, desto höher der Strom. Der Wert der Widerstände in den einzelnen Strängen ist entscheidend für die Stromverteilung im Netz.

Wenn jedoch unterschiedliche Widerstände in den Strängen vorhanden sind, spricht man von einer unsymmetrischen Belastung. In diesem Fall fließt ein Strom über den Neutralleiter, da sich die Ströme der einzelnen Phasen nicht mehr vollständig ausgleichen. Der Neutralleiter übernimmt dann die Aufgabe, die Stromdifferenzen zwischen den Außenleitern zu kompensieren.

Die Berechnung von Strom und Spannung ist daher ein zentraler Bestandteil bei der Planung elektrischer Anlagen. Ingenieure und Techniker nutzen diese Zusammenhänge, um Netzwerke stabil auszulegen und eine sichere Energieversorgung zu gewährleisten.

Transformation und Anwendung

Die Sternschaltung spielt eine zentrale Rolle bei der Transformation von elektrischer Energie. In der Energieversorgung wird sie häufig in Verbindung mit Transformatoren eingesetzt, um elektrische Energie effizient über große Distanzen zu transportieren. Dabei ist der Anschluss in Sternform besonders vorteilhaft, da sich sowohl gleiche Spannungen für Verbraucher realisieren lassen als auch unterschiedliche Spannungsebenen bereitgestellt werden können.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass über den Neutralleiter auch einphasige Verbraucher versorgt werden können. Dadurch eignet sich die Sternschaltung besonders gut für Stromnetze, in denen sowohl Drehstromgeräte als auch einphasige Haushaltsgeräte betrieben werden.

Durch die Kombination aus Stern- und Dreieckschaltung können Motoren beim Anlaufen zunächst im Stern betrieben werden (geringere Stromaufnahme). Viele Drehstrommotoren werden beim Start zunächst im Stern betrieben. In diesem Betriebszustand liegt eine geringere Spannung an den Wicklungen an, wodurch der Anlaufstrom reduziert wird. Anschließend wird der Motor häufig in die Dreieckschaltung umgeschaltet, damit die volle Leistung und das volle Drehmoment zur Verfügung stehen. Solche Lösungen sind typisch für den industriellen Einsatz mit Drehstrom.

Auch in der industriellen Automatisierung und in großen Produktionsanlagen wird diese Anschlussart häufig eingesetzt, da sie eine stabile und kontrollierbare Energieverteilung ermöglicht.

Fazit

Die wichtigsten Inhalte rund um die Sternschaltung umfassen die Struktur mit Phasenleitern, Neutralleitern, Widerständen sowie die Berechnung von Spannungen und Strömen. Die Sternschaltung bietet bei gleichen Anschlussbedingungen eine stabile und sichere Möglichkeit zur Energieverteilung.

Besonders wichtig ist dabei das Zusammenspiel von Leiterspannung, Strangspannung und Strangstrom. Diese Größen bestimmen, wie elektrische Energie im Drehstromsystem verteilt wird und wie Verbraucher angeschlossen werden können.

Durch ihre Vielseitigkeit wird sie sowohl in industriellen als auch in privaten Netzen verwendet und stellt eine der wichtigsten Grundlagen in der Elektrotechnik dar. Ihre Anwendung reicht von einfachen elektrischen Schaltungen bis hin zu komplexen Transformationssystemen und modernen Energieversorgungsnetzen.

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